Vortrag von Dr. Jan Reichow am 16. November 2010 in der Baptistenkirche in Dormagen

" ... denn sie sollen getröstet werden" – Von den magischen Momenten der Musik.

„Trauer in der Musik“.

(Bericht vom Monika Schillings)

Am 16. November hielt der bekannte Musikjournalist Dr. Jan Reichow, ehemaliger leitender Musikredakteur des WDR 3, in der Baptistenkirche in Dormagen-Rheinfeld einen faszinieren- den Vortrag zum Thema:

" ... denn sie sollen getröstet werden" – Von den magischen Momenten der Musik.

Dr. U. Kratel, Vorstandsmitglied der Hospizbewegung Dormagen, hatte den pensionierten WDR-Moderator, Musikethnologe und klassischen Musiker (Klavier, Geige) nach Dormagen eingeladen. 

Pastor Roger McCloy von der Baptistengemeinde hieß die Besucher herzlich willkommen.

Anhand von Beispielen aus der Musikgeschichte, die jeweils an entsprechender Stelle ein- gespielt wurden, ging Dr. Reichow der Frage nach, inwiefern das Hören von Musik Men- schen trösten kann. Wer trauert, erlebt gerade durch die Musik eine Möglichkeit ("magische Momente"), sich zu öffnen für das, was wirklich hilft und trägt. 

Dr. Reichow stellte dabei zunächst reine Trauermusik wie das "Deutsche Requiem" von Brahms oder die "Matthäuspassion" von Bach in Ausschnitten vor und analysierte im Einzelnen, wie hier nicht nur im Bezug zur Religion, sondern ebenso durch den musikalischen Auf- bau Trost gespendet wird. "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden."

Aber nicht nur ein offenkundige Bezug zur Transzendenz kann aufrichten: 

Dr. Reichow wies nach, dass auch im Horntrio von Brahms oder in Streichquartetten von Beethoven die Sehnsucht nach Überwindung der Ich-Begrenzung und so Trost ohne reale Versprechen zu finden sind.

Nicht nur die sog. "große Musik" ist von Wert. Manchmal sind es nur einige Töne einer Melodie, die den Menschen atmosphärisch be- rühren und die er in Erinnerung behält. Diese „magischen Momente der Musik“ sind keine "Fata Morgana", denn der Mensch empfindet sie als sinnvoll aus sich selbst heraus. Dr. Reichow spricht von einem "Sinngewebe der Musik" und meint damit das Glück und die Trau- rigkeit, die Musik im Augenblick des Hörens schenken kann. 

"Musik macht mitunter traurig und zugleich die Traurigkeit erträglich."

Der Vortrag enthielt Musikphilosophisches wie auch amüsante Anekdoten aus dem Leben der Musiker. Man musste schon genau zuhören, um seine inhaltliche Dichte und Fülle aufzunehmen, was aber dank der angenehmen Sprechweise des Vor-tragenden nicht schwer fiel.

Der Beifall des Publikums am Ende zeigte, dass sich die etwa 100 Zuhörer von den Worten und der ausgewählten Musik des Vortra- genden sehr angesprochen fühlten. Im Vorraum der Baptistenkirche wurde danach noch reichlich die Gelegenheit zum Gedankenaus- tausch genutzt. 

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