Palliativmedizin und Hospizbewegung (von Dr. U. Hauffe)

“best supportive care“ im Sinne einer ganzheitlichen Betreuung und optimaler stationärer und poststationärer Versorgung

 

Dr. Ulrich Hauffe

Oberarzt der Inneren Abteilung

Kreiskrankenhaus Dormagen

Spezielle Schmerztherapie,

Notfallmedizin, Palliativmedizin

Die Zunahme maligner (bösartiger) Erkrankungen vor allem auch bei jüngeren Patienten und die Überalterung der Bevölkerung sollten ein innovatives Konzept fordern, in der Gesellschaftsstruktur und bei den Lebensumständen unserer Patienten neue humanitäre Wege zu gehen und zwar unter dem Gesichtspunkt einer ganzheitlichen Versorgung und Lebensplanung .

Es sollte nicht das apparativ technisch machbare im Vordergrund stehen, sondern eine auf den Mensch und seine sozialen Möglichkeiten ausgerichtete Medizin sinnvoll eingesetzt werden.

Verknüpfung von Palliativmedizin und Hospizbewegung

Im Krankenhaus Dormagen steht eine Palliativstation sowie ein ausgebildetes Team von Schwestern und Pflegern, ausgebildet als qualifiziertes Pflege-personal den Patienten und Angehörigen zur Verfügung. Eine enge Kooperation zwischen Krankenhaus und dem palliativmedizinisch qualifizierten Praxisnetz Dormagen  ermöglicht eine übergangslose häusliche Versorgung.

Die Patienten sind sicherlich momentan palliativmedizinisch gut versorgt, aber eine Verbesserung ist für Patienten und Angehörige weiter möglich, wenn es gelingen könnte, Strukturen zu schaffen, die es ermöglichen nach optimaler medikamentöser Einstellung, apparativer Versorgung und persönlicher Unterstützung eine langfristige häusliche Versorgung sicherzustellen oder für eine Unterbringung in einem stationären Hospiz übergangslos zu sorgen.

In diesem Zusammenhang sind Kooperationen zwischen ambulanten Pflegediensten, Seniorenheimen, Hospizbewegung Dormagen und dem Kreiskrankenhaus Dormagen in Planung, bzw. wurden schon Kooperationsverträge zwischen der ambulanten Hospizbewegung und dem Kreiskrankenhaus beschlossen. Die ganzheitliche Versorgung kann nur von einem eingespielten Team geleistet werden, das bereit ist, eine idealistische Leistung zu erbringen, die außerhalb stereotyper Abläufe steht; denn der Routinebetrieb sollte im Bereich palliativmedizinischer Betreuung im Sinne bedürfnis-orientierter Versorgung liegen.

Ein erfahrenes und geschultes Personal steht Patienten und Angehörigen zur Verfügung, das schon lange die Handlungsnotwendigkeit aufgrund sozialer und medizinisch gesetzlicher Veränderungen erkannt hat. Es zählen zu diesem Personalstamm Schwestern, Pfleger, Ärztinnen, Ärzte, Psychologen, die ambulante Hospizbewegung Dormagen, das Praxisnetz Dormagen, ambulante Pflegeorganisationen, Sozialarbeiter, Seelsorger, Krankengymnasten, Ernährungsberaterinnen und nicht zuletzt die Damen der CKH. Von Seiten des Pflegepersonals geht eine patientenorientierte Pflege und Versorgung aus.

Aus ärztlicher Sicht steht die psychosomatische Behandlung und Symptomkontrolle im Vordergrund, insbesondere eine optimale schmerz-therapeutische und anxiolytische (angstlösende)  Einstellung. Im Krankenhaus Dormagen stehen dafür 2 Fachärzte für Spezielle Schmerztherapie, aber auch Kollegen mit alternativen schmerztherapeutischen Verfahren zur Verfügung. Im ambulanten Versorgungsbereich hat das Praxisnetz Dormagen in enger Kooperation mit den Pflegediensten und der ambulanten Hospizbewegung Strukturen für eine qualifizierte palliativ-medizinische und schmerztherapeutische Fortsetzung der Therapie gesorgt.

Die Sozialarbeiterinnen übernehmen schon seit langem die Planung einer optimalen häuslichen Versorgung in enger Kooperation zur ambulanten Hospizbewegung und die Suche nach einer Unterbringung in geeigneten Pflegeheimen und gegebenenfalls stationären Hospizen. Das Krankenhaus hat engagierte Seelsorger, die in liebevoller aufopfernder Tätigkeit sich um feinfühlige Belange kümmern, aber auch vorbereitende aufklärende Begleitung anbieten.

Unsere krankengymnastische Abteilung bietet neben roborierenden (stärkenden)  physikalischen Maßnahmen Übungen zur Entspannung und Verbesserung des Wohlbefindens an, z.B. Entspannungsübungen nach Jakobsen sowie Lymphdrainagen.

Einen wichtigen Part sollten unsere Ernährungsberaterinnen in Zusammenarbeit mit der Küche einnehmen. Es sollte eine vitaminreiche und abwechslungsreiche Kost angeboten werden, die dekorativ aber nicht in den Portionen übermäßig sein sollte.

 Es gilt ein integratives Behandlungs- und Betreuungskonzept aufzubauen, um eine übergangslose Situation von der stationären zur ambulanten Weiterbehandlung ohne Informationsverluste zu schaffen. In das Team des Krankenhauses sollten frühzeitig die Hospizbewegung, ambulante Pflegedienste und die Hausärzte involviert werden. Es entstehen durch das frühe Miteinander keine Kommunikationsverluste, frühzeitig können die uns nicht einsehbaren häuslichen Verhältnisse geklärt werden und was im Interesse des Patienten und des Krankenhauses sicherlich zu sagen ist Wiedereinweisungen im engen Abstand zur Entlassung werden vermieden.

Es wurde in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kollegen, karitativen ambulanten Pflegestationen, Apothekern und unserem Krankenhaus eine Möglichkeit der umfassenden ambulanten häuslichen Versorgung geschaffen. Diese Organisationsstruktur ist sicherlich nahezu einmalig in NRW und könnte durch ein integratives System noch verbessert werden.

Die Hospizbewegung, Pflegedienste und Hausärzte haben schon sehr lange den  Wunsch  an  das  Krankenhaus herangetragen, für ein intensiveres und enges Miteinander einzutreten, somit wären alle Partner schnell und unkompliziert in ein Boot zu bekommen. Im Rahmen des Aufbaues eines solchen integrativen Teams ist eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit in unterschiedlicher Form nützlich und notwendig. Pressemitteilungen und öffentliche Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Hospizbewegung sollen dazu führen, den Bürgern der Stadt Dormagen unser Konzept vorzustellen.  

Die Arbeit der Palliativabteilung hat mit einer Konsolidierungssitzung im Dezember 2005 begonnen.

Wir freuen uns auf ein Team hilfsbereiter und kooperativer Mitarbeiter bestehend aus Pflegeteam, Seelsorgern, Psychologen, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten, Ernährungsberaterinnen und Ärzten zurückgreifen zu können. Es geht uns um eine ganzheitliche psychosomatische, soziale Betreuung. Eine an die Krankheitsphase angepasste symptombezogene Therapie mit dem Ziel, die Selbstbestimmung des Patienten bis zu seinem Lebensende zu wahren und ein Leben bis zum Tode würdig zu gestalten.

Dr. Ulrich Hauffe