Dormagen

Für das Sterben in Würde

VON SYBILLE MÖCKL  (NGZ-online  ->  Online-link auf den Artikel vom 09.12.2010)

Der Internist Udo Kratel engagiert sich seit 1993 für die Dormagener Hospizbewegung, seit 2008 auch für das Ambulante Palliativzentrum. Trotz anfänglicher Skepsis ist beides heute gut angesehen und sehr erfolgreich.

Es ist wohl einer der schwersten Momente im Leben eines Menschen, wenn er von seinen Ärzten erfährt, dass er unheilbar krank ist. Wie soll es weitergehen? Statistisch ist es wahrscheinlich (70 Prozent), dass der Patient im Krankenhaus stirbt. Nur 30 Prozent der Menschen sterben zu Hause. Dass sich dies zumindest in Dormagen geändert hat, dafür sind unter anderem das Netzwerk Palliativmedizin und die Hospizbewegung verantwortlich. "Heute sterben hier nur noch zehn Prozent der Patienten im Krankenhaus", weiß Internist und Palliativ- mediziner Udo Kratel. 

Dr. Udo Kratel ist einer von vier Ärzten des Ambulanten Palliativ- zentrums. Während seiner Ruf- bereitschaft ist er rund um die Uhr für schwerstkranke Patien- ten, die zu Hause gepflegt werden, und deren Angehörige da. 

Foto : Hans Jazyk

   

 Info


 Palliativ Zentrum

 Büro:  Das Ambulante Palliativ-

 zentrum (APZ) Dormagen befin-

 det sich im Seniorenzentrum

  Markuskirche, Weilerstraße 18 a.

 Koordination: Zuständig ist Anita

 Kramer, Tel: 02133 2660912, 

 Email:

 apz.dormagen@googlemail.com.

 Dienste: Vermittlung zu Pflege-

 teams, ambulanten Palliativ-

 medizinern, zur ambulanten

  Hospizbewegung und zu

  spezialisierten Apotheken und

  Dienstleistern

Das Netzwerk aus Medizinern, Therapeuten, Seelsorgern und einem Apotheker unterstützt seit 2007 Familien, ihre Schwerstkranken zu Hause zu pflegen. 

  

Seit gut zwei Jahren laufen alle Fäden im Ambulanten Palliativzentrum zusammen. Dies hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein im vergangenen Jahr sogar mit dem Innovationspreis gewürdigt.

  

Gemeinsam mit Krankenhausmitarbeitern und Pfarrern gründete er 1993 die Hospizbewegung Dormagen. Auch um den Hospizgedanken – das betreute Sterben im eigenen Zuhause – zu verbreiten. "Damals war völlig akzeptiert, dass man eben im Krankenhaus stirbt", sagt Kratel. Die Bevölkerung wusste gar nicht, was die Hospizbewegung eigentlich macht. Und auch Kollegen standen dem zunächst skeptisch gegenüber.

  

Nach viel Überzeugungsarbeit und knapp 20 Jahre später ist das völlig anders: "Palliativmedizin ist akzeptiert."

 "Unsere Arbeit findet im Stillen, in den Familien statt", sagt Kratel. Um ihre positive Wirkung dennoch öffentlich zu machen, finden zum Beispiel die Hospizkonzerte statt: "Über Musik lässt sich der Hospizgedanke besonders gut transportieren." Dass Kratel richtig liegt, zeigt das Interesse daran: Mehr als 1000 Karten für die drei "Voices for Hospices"-Konzerte, bei denen am kommenden Wochenende der Hackenbroicher Chor "DaCapo" singt, wurden innerhalb von sechs Tagen verkauft.


-> Online-link auf den Artikel in NGZ

Drucken: